Rückblick- B:fragt

Wie steht’s um die psychische Gesundheit von Jugendlichen in Krisenzeiten? Darüber haben Expert*innen mit Projektpartner*innen der Beisheim Stiftung diskutiert

Die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen haben vor allem junge Menschen stark betroffen. Jugendliche haben Isolation und Einsamkeit erfahren, ihre Interessen kamen oft zu kurz. Studien zeigen eine Zunahme von Depressionen und Angstsymptomen – Existenzängste und Perspektivlosigkeit haben die Situation verschärft. Hinzu kommt aktuell der Krieg in der Ukraine, der gerade auch bei Jugendlichen neue Ängste auslösen kann.

Umso wichtiger ist es, mit Expert*innen, aber auch mit den Jugendlichen selbst darüber zu sprechen, wie es um die psychische Gesundheit von Jugendlichen steht – und was wir alle tun können, um diese zu stärken. Die Beisheim Stiftung hat daher mit „B:fragt“ ein neues, digitales Gesprächsformat gestartet, um die Erfahrungen ihrer Projektpartner*innen zusammen zu bringen und gemeinsam über aktuelle Themen sowie Lösungsansätze zu sprechen.

In der ersten Ausgabe am 16.03.2022 haben vier Projektpartner*innen der Beisheim Stiftung darüber gesprochen, wie mehrere Krisenszenarien sich aktuell überlagern und es kurz- wie langfristige Maßnahmen braucht, um Jugendliche dabei zu unterstützen.

Melanie Eckert von krisenchat berichtete, dass Zukunftsängste bei Jugendlichen massiv zugenommen hätten – bisherige Hilfsangebote aber nicht ausreichten. Umso wichtiger seien jetzt niederschwellige, digitale Initiativen wie krisenchat,  die jetzt auch in ukrainischer und russischer Sprache angeboten werden.

Helena Horn hat erzählt, wie sie als Teach First Fellow an einer Schule in Chemnitz daran arbeitet, psychische Gesundheit als Grundpfeiler der Schulentwicklung zu etablieren, etwa mit Yoga oder Schreibtherapie.  

Die Perspektive der Jugendlichen hat Eda Xhemaili vertreten, die als START-Stipendiatin von ihren Erfahrungen an einem Gymnasium bei München berichtet hat. Schüler*innen hätten sich selbst organisiert, da auch die Lehrkräfte zum Teil überfordert gewesen sein. Der Leistungsdruck sei aber weiterhin stark und lasse wenig Raum, die psychische Gesundheit von Jugendlichen zu stärken.

Prof. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LMU Klinikums München (KJP) sieht unser Gesundheitssystem an der Grenze, im stationären als auch therapeutischen Bereich. Es gebe aber auch Lösungen, wie etwa das Informationsportal „ich bin alles“, dass die KJP gemeinsam mit der Beisheim Stiftung aufgesetzt hat. Vor allem aber brauche es Kraft und Optimismus, damit wir nicht in eine „gesellschaftliche Depression“ verfielen. Denn nur dann könne man auch den Jugendlichen helfen.

Der anschließende, intensive Austausch der Teilnehmenden hat gezeigt, wie wichtig es ist, den Austausch zum Thema mentale Gesundheit fördern. Nach dem Erfolg der ersten Ausgabe soll das Format B:fragt künftig regelmäßig stattfinden, um aktuelle Themen aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren – und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.